Business Small Talk: So verhalten Sie sich am Firmenevent

Natalie Rabus, 17.10.2016

Persönlichkeit spielt in der heutigen Arbeitswelt eine zentrale Rolle. Ob ein Mitarbeitender beruflich erfolgreich ist, hängt mitunter von seiner Sozialkompetenz ab. Umso wichtiger werden damit allgemeine Verhaltensregeln im Umgang mit Vorgesetzten, Arbeitskollegen und Kunden. Monika Domeisen, Imageberaterin und Spezialistin für Business Knigge-Fragen, hat uns Einblicke in ihr Fachgebiet gewährt und uns verraten, wie man sich an einem Firmenevent verhalten sollte.

«Mitarbeitende sind die Visitenkarte einer Firma, auch ausserhalb der Bürozeiten. Gerade heute, wo Produkte durch die voranschreitende Entwicklung rasch austauschbar werden, gewinnen Mitarbeitende mit ihrer Persönlichkeit an Bedeutung. Ihre Sozialkompetenz trägt im Konkurrenzkampf massgebend zum Erfolg eines Unternehmens bei.» Denn schlussendlich, fährt Monika Domeisen, Imageberaterin und Spezialistin für Business Knigge-Fragen fort, würden Kunden von Menschen kaufen, die ihnen sympathisch sind und denen sie vertrauen können. Ein professioneller Umgang mit dem Geschäftspartner ist aber nicht immer leicht, gerade dann, wenn man ihm abseits des gewohnten Arbeitsplatzes auf einer persönlichen Ebene begegnet – wie an einem Firmen- oder Kundenanlass. Welche Regeln gelten dann? Wie verhält man sich? Worüber spricht man? Worüber eher nicht? Wie zieht man sich an? Das Wichtigste ist ein sicheres Auftreten, schickt Domeisen voraus. Was dies im Detail bedeutet, erklärt sie in ihren Seminaren.

Wir wollten von der Expertin wissen, wie man einen Small Talk professionell führt, wie man ins Gespräch kommt und was man tun kann, wenn dieses plötzlich langweilig oder uninteressant wird.

 

kfmv-Blog: Frau Domeisen, wie kommt man an einem Firmen- oder Kundenanlass mit jemand Unbekanntem leicht in ein Gespräch?

Monika Domeisen: Ist man alleine an einem Anlass, hilft es, sich erst einmal umzuschauen. Erblickt man Einzelpersonen, darf man davon ausgehen, dass diese froh sind, sich ebenfalls mit jemandem unterhalten zu können. Wenn die auserwählte Person hinzu ähnlich gekleidet ist, wie man selbst, dann übt sie vielleicht denselben oder einen ähnlichen Beruf, in einer vergleichbaren Position aus. Mit Gemeinsamkeiten stösst man meist auf Sympathie, was den Gesprächseinstieg wiederum erleichtert.

 

Was kann man tun, wenn die Konversation nicht ins Fliessen kommt?

Dann helfen die offenen W-Fragen: Wie gefällt Ihnen die Veranstaltung? Was gefällt Ihnen besonders daran? Wo arbeiten Sie? Viel wichtiger als die Frage an sich ist aber die Art, wie man etwas sagt – der Stimmklang und auch die Mimik. Ein freundlicher Ton und ein natürliches Lächeln im Gesicht sind die wahren Eisbrecher. Im Verlauf des Small Talks sollte man aber auch etwas über sich preisgeben, damit beim Gegenüber nicht der Eindruck entsteht, es werde interviewt. Ein ehrlich gemeintes Kompliment kommt übrigens auch immer gut an.

 

Was sollte man bei einem ersten Small Talk vermeiden?

Man sollte einem Geschäftskontakt nicht gleich das eigene Herz ausschütten. Persönliche Angelegenheiten wie Liebeskummer, Krankheiten oder Geldsorgen sind an einem Business Event fehl am Platz. Solche Gesprächsthemen sind für den privaten Freundes- und Verwandtenkreis bestimmt.

 

Wie reagiert man auf provokative Fragen?

Dies hängt von der Art der Provokation ab. Bei zu persönlichen Fragen, wie zum Beispiel «Wie viel verdienen Sie?», empfehle ich pfiffige Kurzantworten, wie «genug». Extreme Situationen wie Beleidigungen kann man aufhalten, indem man den Angriff umleitet. Man geht auf das Thema, nicht aber auf die Emotion ein. Beispiel: «Wie ich festgestellt habe, sind Sie unfähig, ein Telefon richtig zu bedienen». Umleitung: «Apropos Telefon, kennen Sie schon das neuste Gerät von xy? Das finde ich toll.»

 

Monika Domeisen ist Imageberaterin und Spezialistin für Business Knigge-Fragen

 

Wie integriert man sich in eine bestehende Gruppe?

Wenn Personen locker beieinander stehen, ist dies ein Hinweis darauf, dass sich diese erst begegnet sind. Man kann dann ruhig fragen, ob man sich dazugesellen darf. Daraufhin sollte man sich selbst gleich vorstellen – was die Anderen sicherlich gleichtun werden. Und schon ist man ein weiterer spannender Gesprächsteilnehmer in der Gruppe.

 

Inwiefern spielt die Körpersprache eine Rolle?

Beim Erstkontakt wie auch später spielt die Körpersprache eine zentrale Rolle. Etwa 55% unserer Kommunikation findet auf der physischen Ebene statt – durch unsere Gestik, Mimik, unser Outfit und unseren Duft.

Bei der Begrüssung gilt es, eine Distanz-Zone einzuhalten. Man spricht von einem Abstand von ungefähr einer Armlänge. Ein freundliches, dezentes Lächeln erzeugt beim Gegenüber Sympathie. Dabei sollte man aber nicht übertreiben, ein «Piranha-Lächeln», bei dem die ganze Zahnreihe ersichtlich wird oder ein stereotypes Dauerlächeln kommt meist nicht gut an. Es wirkt irritierend und künstlich.

Betreffend Parfum ist weniger oft mehr. Zu intensive Düfte werden sowohl von Recruitern als auch von Mitarbeitenden wenig geschätzt.

 

Wie klinkt man sich aus einem Gespräch höflich aus?

Die sogenannten Social Events oder Networking-Anlässe (z.B. Xing, Clubanlässe) haben in erster Linie zum Ziel, neue Kontakte zu knüpfen und nicht, sich andauernd mit denselben Leuten zu unterhalten. Deshalb ist es nicht unhöflich, wenn man dem Gegenüber sagt, dass man da noch jemanden gesehen hat, den man gerne begrüssen möchte. Vor dem Abgang sollte man sich allerdings für das Gespräch bedanken und einen schönen Abend wünschen – oder zu verstehen geben, dass man später nochmals zurückkommt.

 

Und zum Schluss: Wenn Sie jemandem nur einen einzigen Tipp geben könnten, welcher wäre das?

Stellen Sie sich vor, Sie flanieren abends mit einem Bekannten durch die Stadt und begegnen unerwartet Ihrem Chef/Ihrer Chefin. Sie beide unterhalten sich angeregt, während Ihre Begleitung unbeachtet daneben steht. Eine Person von einem Gespräch auszuschliessen ist sehr unhöflich und für diese auch unangenehm. Deshalb gilt die Faustregel: Die Person, die alle – oder die meisten – im Kreise kennt, macht diese miteinander bekannt. Oft wird dies unterlassen, weil die Leute nicht wissen, wie sie mit einer solchen Situation umgehen sollen.