Frage-Antwort: Wie komme ich zu mehr Lohn in der Lehre?

Michael Kraft, 14.03.2017

In unserer Ratgeber-Serie beantworten Experten des Kaufmännischen Verbandes Mitgliedern Fragen rund um das Thema Arbeitsplatz.

Frage

Kürzlich habe ich mit meinen Schulkolleginnen über unseren Lohn gesprochen. Es hat sich gezeigt, dass ich deutlich weniger verdiene als die meisten. Ich finde das unfair, schliesslich mache ich das gleiche wie sie und arbeite erst noch in derselben Branche. Was kann ich tun? Mir fehlt irgendwie der Mut, es mit meinem Ausbildner zu besprechen.

Antwort

Dein Lohn ist im Lehrvertrag festgelegt, den du, deine Eltern, der Berufsbildner und das Amt vor Lehrbeginn unterschrieben haben. Alle vereinbarten Punkte, auch der Lohn, gelten grundsätzlich für die volle Dauer des Vertrags. Du bist somit auf den «Goodwill» deines Lehrbetriebs angewiesen: Eine Lohnerhöhung kann es nur dann geben, wenn er sich damit einverstanden erklärt.

Ich verstehe sehr gut, dass du etwas zurückhaltend bist, deinen Berufsbildner darauf anzusprechen. Das ist nicht gerade angenehm und es braucht, wie du selbst geschrieben hast, ein Stück Mut. Trotzdem: Es lohnt sich. Du wirst in deinem weiteren Berufsleben immer wieder in Situationen geraten, die dich Überwindung kosten. Sehe es deshalb als Übung und Teil deiner Ausbildung an – auch solche Gespräche gehören zum Büroalltag. Das geht nicht zwischen Tür und Angel, sondern ihr braucht etwas Zeit und Ruhe dafür. Besonders wichtig ist die Vorbereitung: Der KV Schweiz gibt Empfehlungen für Lernende im Büro und Detailhandel heraus. Für 2017 betragen diese im ersten Lehrjahr CHF 770.-, im zweiten 980.- und im dritten 1480.- pro Monat. Die Löhne sollen 13 Mal pro Jahr ausbezahlt werden. Diese Empfehlungen können dir als Grundlage dienen und du kannst zeigen, dass du dich gut informiert hast. Am besten nimmst du das Dokument ausgedruckt mit. Dann muss sich dein Berufsbildner damit auseinandersetzen und argumentieren. Lass dich nicht zu schnell abwimmeln – auch Lernende haben Anrecht auf einen gerechten Lohn. Wird es harzig, können Kompromissvorschläge nützlich sein: Die Ansätze müssen nicht unbedingt auf einen Schlag angepasst, sondern können auch schrittweise angehoben werden. Falls in deinem Betrieb mehrere Lernende ausgebildet werden, tut euch zusammen: Gemeinsam ist es einfacher, etwas zu erreichen.

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