Frage-Antwort: Ist Internetüberwachung erlaubt?

Michael Kraft, 04.04.2017

In unserer Ratgeber-Serie beantworten Experten des Kaufmännischen Verbandes Mitgliedern Fragen rund um das Thema Arbeitsplatz.

Frage

In unserem Betrieb sind wir mehrere Lernende. Einer davon wurde erwischt, wie er während der Arbeitszeit Youtube-Filmchen angeschaut hat. Unser Berufsbildner ist ziemlich ausgerastet und hat gemeint, dass wir während der Arbeit sowieso andauernd privat surfen würden. Nun haben wir gehört, dass er die Internetnutzung aller Lernenden überwachen will. Ist das erlaubt?

Eine vollständige Überwachung aller Mitarbeitenden oder ganzer Gruppen ist verboten: Dies würde die Privatsphäre und die Persönlichkeitsrechte der Arbeitnehmenden verletzen. Besonders stossend ist, dass er aufgrund eines einzelnen Vorfalls offensichtlich euch alle verdächtigt. Der Arbeitgeber muss zuerst dafür sorgen, dass das System durch technische Massnahmen wie Firewalls oder Seitensperren ausreichend geschützt ist. Sinnvollerweise besteht zudem ein Nutzungsreglement, das klar macht, was erlaubt ist und was nicht. Schliesslich darf der Betrieb eine anonyme Überwachung vornehmen – also ohne, dass einzelne Personen identifiziert werden können. Erst wenn dabei ein Missbrauch entdeckt wird, können Auswertungen gemacht werden, die einzelne Personen zum Ziel haben. Dafür braucht es allerdings ein betriebsinternes Überwachungsreglement und die Mitarbeitenden müssen über diese sogenannt «personenbezogene Auswertung» informiert werden. Solch drastische Massnahmen sind in deinem Fall übertrieben: Es handelt sich um einen ziemlich alltäglichen Konflikt. Versucht mit eurem Berufsbildner zu klären, was als privates Surfen gilt und wann, zum Beispiel während der Pausen, es erlaubt ist. Sollte sich das Gerücht bewahrheiten und ihr trotz allem unrechtmässig überwacht werdet, musst du dir Unterstützung suchen. Kontaktiere auf jeden Fall das Berufsbildungsamt, das hier vermitteln kann. Als letzte Möglichkeit steht dir der Gang vors Arbeitsgericht offen

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