Frage-Antwort: Wie schütze ich mich vor einem Burn-out?

Carla Weber, 02.05.2017

In unserer Ratgeber-Serie beantworten Experten des Kaufmännischen Verbandes Mitgliedern Fragen rund um das Thema Arbeitsplatz.

Frage

In der letzten Mitarbeiterbeurteilung riet mir mein Vorgesetzter, ich solle dringend etwas tun, damit ich kein Burn-out bekomme. Ich müsse zu meiner Work-Life-Balance schauen. Ist das nicht frech? Was soll ich mit dieser Aussage?

Antwort

Als psychologische Beraterin begrüsse ich es, wenn Führungspersonen eine gesundheitliche Gefahr bei ihren Mitarbeitern ansprechen. Meiner Erfahrung nach können Menschen, die sich in der Burn-out-Spirale in einer gewissen Tiefe und Enge bewegen, selber nur erschwert bis gar nicht erkennen, dass sie sich in einem gefährlichen Bereich befinden. Unter Aufbietung der allerletzten Kraft strampeln sie nämlich im Hamsterrad und haben weder genügend Energie noch Zeit und vor allem nicht mehr genügend Abstand, um zu erkennen, wie es ihnen wirklich geht und was sie da genau tun. Von aussen ist diese Phase des Prozesses häufig deutlicher zu erkennen. Ein Burn-out hat man nicht einfach wie durch einen Schalter ausgelöst. Wir befinden uns in der heutigen Arbeitswelt in der Spirale von chronischem Stress. Mit wenig oder nur kurz andauerndem Stress können wir uns dank Ferien oder anderen Erholungsmöglichkeiten in der Spirale leicht wieder nach oben drehen. Das vegetative Nervensystem kann durch Entspannung wieder beruhigt werden. Geraten wir tiefer in die Spirale, wird der Aufwand immer grösser, uns wieder in die gesunde Richtung nach oben zu bewegen. Je tiefer wir geraten, desto enger wird es und die Möglichkeiten sind zwar dringender aber auch anspruchsvoller. Dabei sind körperliche Symptome wertvolle Botschaften über wichtige Bedürfnisse, die lange missachtet wurden. Da braucht es nicht mehr nur Entspannung, da sind tiefere innere Zwickmühlen freizulegen. Meist sind es widersprüchliche Erfahrungen, die mit erhöhtem Engagement eben nicht zu lösen sind. Meist geht es um eine Sinnkrise. Dann kann es sehr hilfreich sein, sich von einer Fachperson begleiten zu lassen, die in solchen Prozessbegleitungen erfahren ist. Wenn es gelingt, einen neuen Sinn zu entwickeln, führt dies zu innerer Befriedigung und Würde und daraus entwickeln sich neue Kräfte. Ich würde die Bemerkung Ihres Vorgesetzten also positiv werten und mich auf die Suche machen nach einer guten Unterstützung, um längerfristig wieder in eine gesunde Energiebalance zu finden. Andererseits würde ich den Ball des Vorgesetzten aufnehmen und zurückfragen: Was kann die Organisation beitragen, damit ich nicht tiefer in die Spirale gerate? Burn-out ist nicht nur ein individuelles Problem. Oftmals weist es auf notwendige Veränderungen in der Organisation hin. Habe ich genügend Einflussmöglichkeiten und reichen die verfügbaren Ressourcen aus, um meiner Arbeit Sinn zu verleihen? Gibt es andere Risikofaktoren von Burn-out im System (ständige Umstrukturierungen, keine klaren Arbeitsaufträge, Personalabbau, mangelnde Wertschätzung)? Gut also, wenn das Thema Burn-out- Prophylaxe in differenzierter Weise auf den Tisch kommt. Nehmen Sie den Ball auf!

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