Frage-Antwort: Was hilft gegen Angst vor Fehlern?

Carla Weber, 14.11.2017

In unserer Ratgeber-Serie beantworten Experten kfmv-Mitgliedern Fragen rund um das Thema Arbeitsplatz.

Frage

Beim Arbeiten gebe ich mir grosse Mühe, nichts falsch zu machen. Alles, was ich tue, überprüfe ich gründlich. Trotzdem passierte mir kürzlich ein dummer Fehler, der einiges an unnötigen Kosten auslöste. Es war mir so peinlich. Mein Vorgesetzter zeigte zwar Verständnis, ich selber konnte mir aber nicht verzeihen. Seither bin ich wie blockiert. Ich habe ständig Angst, einen weiteren Fehler zu machen. Was kann ich tun gegen diese Unsicherheit? Ich leide sehr darunter.

Antwort

Fehler können sehr unangenehm sein. Sie setzen uns der Kritik anderer aus und lassen uns an uns selbst zweifeln. Doch gerade in der heutigen Arbeitswelt, in welcher Stress und Leistungsdruck zunehmen, ist klar: Fehler passieren. Viele Betriebe haben sich inzwischen von der «Null-Fehler-Kultur» verabschiedet. Fehler sollten nicht um jeden Preis verhindert werden, denn eine übertriebene Angst vor Fehlern hemmt jede Form von Entwicklung und Innovation. Vielmehr sollte eine «Kultur des Scheiterns» etabliert werden, die eine Quelle des Lernens sein kann.

Laurence J. Peter, ein bekannter Psychologe und Pädagoge, brachte diese Erkenntnis auf den Punkt: «Fehler vermeidet man, indem man Erfahrungen sammelt. Erfahrungen sammelt man, indem man Fehler macht». Es ist wichtig, zu den eigenen Fehlern zu stehen. Fehler zu vertuschen stellt nämlich ein Risiko dar, gerade für Unternehmen, bei denen Fehler grosse Konsequenzen haben können wie zum Beispiel für Spitäler. Nur ein wirklich offener Umgang mit Fehlern ermöglicht die Verbesserung von Abläufen und dient damit der Fehlerprävention.

Für Sie als Mitarbeiterin heisst das konkret: Nutzen Sie entstandene Fehler um aus ihnen zu lernen. Folgendes Drei-Schritte-Programm kann Ihnen dabei helfen:

 

Schritt 1: Analysieren Sie Ihren Fehler

Suchen Sie auf keinen Fall nach Schuldigen, sondern forschen Sie gezielt nach Ursachen. Wie kam es zum Fehler? Wegen situativ falschem Verhalten? Wegen Missverständnissen? Wegen Zeitdruck? Wegen organisatorischen Mängeln? Selten besteht die Quelle von Fehlern aus einem einzelnen Grund. Oft ist es die ungute Verquickung verschiedener Ursachen, die sich besonders fatal auswirken kann.

Schritt 2: Ziehen Sie aus Ihrer Analyse Erkenntnisse für die Zukunft

Was müssten Sie tun oder eben nicht tun, um den Fehler nicht zu wiederholen? Vielleicht braucht es mehr als die Veränderung des eigenen Verhaltens. Suchen Sie deshalb bei Bedarf das Gespräch mit Ihren Vorgesetzten.

Schritt 3: Profitieren Sie von Ihren Fehlern

Können Sie aus der Situation etwas lernen, was ohne den Fehler nicht möglich gewesen wäre? Hat der Fehler Sie vielleicht vor noch unangenehmeren Konsequenzen geschützt, indem Sie rechtzeitig auf Schwachstellen aufmerksam wurden?

Sobald Sie aus Fehlern lernen und diese für Veränderungen nutzen, öffnen Sie sich für einen Entwicklungs- und Wachstumsprozess. Das kann auch spannend sein. Vermutlich machen Sie die Erfahrung, dass andere Ihnen dabei sehr viel Verständnis entgegen bringen. Fehler machen uns nämlich sozialer. Wer selber Fehler machen kann, wird auch gnädiger und verständnisvoller andern gegenüber. Wie heisst es doch so schön? «Nobody is perfect».

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