Professionell auftreten von A bis Z

Andrea Söldi, 13.12.2017

In einem Bewerbungsprozess lauern viele Fallstricke. Laufbahnberaterin Katrin Juntke gibt ein paar Tipps für einen professionellen Rundum-Auftritt.

Wenn man schon lange keine Stelle mehr suchen musste, kann der Bewerbungsprozess als grosse Hürde erscheinen. Wie geht man am besten vor?

Katrin Juntke: Tatsächlich ist es wichtig, sich zuerst einmal eingehend mit den aktuellen Gepflogenheiten zu befassen. Der erste Schritt ist, die Unterlagen zusammenzustellen und in aktueller Form zu präsentieren. Vorlagen finden sich im Internet.

 

Wie erhöhe ich meine Chancen, sollte ich tatsächlich zu einem Gespräch eingeladen werden?

Bereits bei der Terminvereinbarung muss man sich professionell präsentieren: gut erreichbar sein und sich nicht zu geschwätzig geben. Bereiten Sie sich gut auf das Interview vor. Informieren Sie sich über die Webseite des Unternehmens und schreiben Sie Fragen auf. Ein Block mit Notizen auf dem Tisch wirkt gut. Dann selbstverständlich: Pünktlich zum Termin erscheinen. Höflich sein gegenüber allen -auch zum Beispiel der Person am Empfang. Einen festen Händedruck erwidern und dem Gesprächspartner in die Augen schauen.

 

Gibt es No-Gos?

Davon könnte ich zahlreiche Müsterchen aufzählen! Zum Beispiel: Schimpfen auf Ausbildner oder frühere Vorgesetzte. Entsprechende Fragen beantwortet man am besten kurz und bündig: «Ich will darüber eigentlich nicht reden. Wir hatten einfach das Heu nicht auf derselben Bühne.» Generell sollte man nicht zu viel Privates preisgeben und nicht ins Plaudern kommen, sondern auf die Arbeit fokussieren.

 

Wer schon zahlreiche Absagen erhalten hat, wirkt unter Umständen bedürftig und wenig selbstbewusst. Wie vermeidet man, dass man eine Verlierer-Haltung ausstrahlt?

Man sollte trotzdem signalisieren, dass man klare Vorstellungen hat und nicht unter allen Bedingungen zu haben ist.

 

Wie geht man am besten mit heiklen Themen um? Zum Beispiel mit einer Lücke im Lebenslauf aufgrund einer psychischen Krankheit?

Im Gespräch möchte ich hören, wie der Bewerber seine Erlebnisse verarbeitet hat und was er daraus gelernt habt. Zum Beispiel bei Personen, welche die letzte Stelle wegen Mobbing oder Burnout aufgegeben haben. Wenn ich den Eindruck erhalte, dass die belastende Situation abgeschlossen und gut verarbeitet ist, schliesse ich eine Anstellung nicht aus.

 

Nicht alle Unternehmen verfügen über professionelle Recruiter. Wie geht man damit um, wenn der Gesprächspartner zum Beispiel sehr gesprächig ist und dem Bewerbenden kaum Raum lässt?

Man sollte sich trotzdem trauen, die wichtigen Fragen zu stellen. Und auch darauf bestehen, dass man das Team kennen lernt, mit dem man täglich arbeiten wird. Dafür ist eine Schnuppersequenz geeignet. Nur so spürt man die Stimmung und Atmosphäre.

 

Wie kann man mit Nervosität umgehen?

Ein Bewerbungsgespräch ist wie eine Prüfung. Wer Angst davor hat, kann die Situation in Rollenspielen mit einem Coach trainieren. Ich gebe meinen Ratsuchenden Tipps wie zum Beispiel: Beruhigende Musik hören vor dem Termin, einen Talisman wie etwa einen Stein in den Sack nehmen, an dem man sich festhalten kann, oder ein Foto dabei haben, das einem Sicherheit vermittelt.

 

Was ist für ältere Stellensuchende speziell wichtig?

In der Regel bringen sie viel Fachwissen und Sozialkompetenz mit, vermögen dies aber zu wenig herauszustreichen. Die Angst vor einer ungewissen Zukunft führt oftmals zu Sprachlosigkeit. Eine Beratung verbessert die Chancen deutlich. Ich kenne viele, die auch mit über 55 Jahren nochmals eine passende Stelle gefunden haben.

Zur Person

Katrin Juntke (53) bietet persönliche Beratungen für Stellensuchende sowie Unterstützung bei der Laufbahnplanung an. Zudem coacht sie Führungskräfte in der Interviewtechnik und übernimmt Mandate von Firmen für die Rekrutierung neuer Mitarbeitender. Ihr Unternehmen namens Katrin Juntke Zukunftsmanagement ist in Brütten ansässig.