Vom alten ins neue Jahr – Ein Blick zurück nach vorn

Rolf Murbach, 29.12.2017

Jahresende. Zeit zu bilanzieren und in die Zukunft zu schauen. Sechs Frauen und Männer berichten, was sie beruflich beschäftigt und welches ihre Pläne für 2018 sind.

Ein Thema beherrschte die Wirtschaftsschlagzeilen: die Digitalisierung. Damit verbunden war und ist die Frage, welche Jobs vernichtet werden und wie viele neue Stellen die Revolution der Arbeitswelt schaffen wird. Hier kursieren unterschiedliche Szenarien. Die optimistischen überwiegen. Für Arbeitnehmer heisst das, sie müssen nicht um ihren Job fürchten – wenn sie bereit sind, sich weiterzubilden. So der Tenor.

Zwar hörte man regelmässig von grösseren Entlassungswellen, zum Beispiel im Bankensektor oder in der Industrie. Das hatte auch mit den Nachwehen des Frankenschocks zu tun, der im Grossen und Ganzen aber überwunden scheint. Die Arbeitslosenzahlen sind in der Schweiz nach wie vor sehr tief und stabil. Grössere Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt haben aber über Fünfzigjährige. Wenn sie ihren Job verlieren, sind sie deutlich länger arbeitslos als Jüngere. Die Diskriminierung von älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ist denn auch ein Thema, das viele beschäftigt.

Die wirtschaftlichen Aussichten fürs nächste Jahr sind gut. Die Ökonomen äussern sich optimistisch. Das Bruttoinlandprodukt soll laut Konjunkturforschungsstelle (KOF) um 2,2 Prozent wachsen. Die Schweizer Konjunktur werde auch durch die prosperierende Weltwirtschaft beflügelt, die sich seit mehreren Quartalen in einem kräftigen Aufschwung befindet. Für die Jahre 2018 und 2019 erwartet die KOF eine anhaltend starke Expansion der Weltwirtschaft, von der auch unser Land profitieren wird. Die Arbeitslosenquote dürfte sich 2018 auf 3,1 Prozent leicht reduzieren.

Ein weiteres Thema rund um den Job, das die Menschen beschäftigt, ist die Flexibilisierung der Arbeitswelt und die Work-Life-Balance. Immer mehr Firmen ermöglichen ihren Mitarbeitenden Flexworkmodelle: Home Office oder Coworking Spaces zum Beispiel. Das bringt viel Freiheit und Zeitautonomie, birgt aber auch die Gefahr in sich, dass die Menschen sich überfordern. Die Abgrenzung zwischen Job und Privatleben ist für viele schwierig – insbesondere in Zeiten, in denen der Druck am Arbeitsplatz generell zunimmt und viele über Stress klagen.

Rückblick und Ausblick. Was hat Frauen und Männer dieses Jahr beruflich beschäftigt? Was war prägend? Welche Pläne haben sie für 2018. Wir haben nachgefragt.

Stefan Plüss

55, Fachspezialist Wertschriftenhandel und strukturierte Produkte

 

Was war für Sie in diesem Jahr beruflich besonders prägend?

Bei uns im Geschäft war sehr viel los. Wir hatten eine grosse Reorganisation, und ich habe einen neuen Vorgesetzten bekommen. Die ganze Reorganisation erlebten wir alle als sehr herausfordernd. Sehr erfreulich war das Börsenjahr 2017.

 

Was beschäftigt Sie zurzeit in Bezug auf Ihre berufliche Situation am meisten?

In meinem Alter beschäftigt man sich natürlich schon mit der Frage, ob man für die Anforderungen des Berufs noch genügend fit ist – vor allem in Bezug auf die Digitalisierung. Ich versuche hier up-to-date zu bleiben und lege Wert darauf, dass ich mich regelmässig weiterbilden kann.

 

Welches sind Ihre beruflichen Pläne für 2018?

Ich selber habe keine beruflichen Pläne für das nächste Jahr. Durch die Reorganisation sind wir natürlich ein Stück weit dem Geschehen ausgeliefert. Als älterer Arbeitnehmer wünsche ich mir, dass sich der Arbeitgeber bewusst ist, welche Erfahrungen solche Berufsleute mitbringen. Ich hoffe, dass Unternehmen auf diese Erfahrungen setzen und sie wertschätzen.

 

 

Karin Stamm

37, stellvertretende Geschäftsleiterin bei einer Agentur für Marketing, Kommunikation und Schulung

 

Was war für Sie in diesem Jahr beruflich besonders prägend?

Die Wertschätzung, die wir täglich bei Heartwork für unsere Arbeit durch unsere Kundinnen und Kunden erfahren: Das ist mehr als prägend und spornt gleichermassen an. Wir müssen uns in einem stark konkurrenzierenden Umfeld behaupten, da sind tragende Werte wie Loyalität und Vertrauen keine Selbstverständlichkeit. Wir konnten alle bisherigen Mandate behalten und haben ziemlich viele hinzugewonnen. Das freut uns sehr.

 

Was beschäftigt Sie zurzeit in Bezug auf Ihre berufliche Situation am meisten?

Das «À-jour-Bleiben» ist in meinem Berufsfeld von zentraler Bedeutung. Vor allem im Bereich «Digitalisierung» sind die Kundenanfragen deutlich angestiegen. Dies verändert das vorausgesetzte digitale Know-how in der Kundenberatung massgeblich. Ich bin froh, haben wir uns schon sehr früh damit auseinandergesetzt und können unsere Beratung durch echte Erfahrung ergänzen. Eine Herausforderung ist wohl das gesunde Mass zwischen On- und Offline – gerade weil sich die Arbeitszeit nicht mehr so strikt vom Privaten trennen lässt.

 

Welches sind Ihre beruflichen Pläne für 2018?

Stetige persönliche und auch berufliche Weiterentwicklung ist mir sehr wichtig. Nach verschiedenen Weiterbildungen in Social Media werde ich nun eine neue Richtung in Angriff nehmen und mein Wissen in der Erwachsenenbildung erweitern.

 

 

Angelica Fotiou

33, Kaufmännische Angestellte und angehende Führungsfachfrau (in Ausbildung)

 

Was war für Sie in diesem Jahr beruflich besonders prägend?

Die Ausbildungen zur Berufsbildnerin und zur Führungsfachfrau an der KV Zürich Business School waren besonders prägend für mich. Die Lehrgänge haben mich gestärkt und motiviert, eine neue Stelle als Führungskraft im Personalmanagement zu suchen. Diese Suche gestaltet sich aber schwierig.

 

Was beschäftigt Sie zurzeit in Bezug auf Ihre berufliche Situation am meisten?

Offenbar erwarten heute viele Firmen langjährige Führungserfahrung für Kaderstellen. Zudem darf man nicht zu alt und nicht zu jung sein. Trotz guter Ausbildung, umfassenden Fremdsprachenkenntnissen und viel Berufserfahrung in unterschiedlichen Branchen blieb meine Suche bis heute ohne Erfolg. Mein Eindruck: Kaum jemand will heute einem jungen, zukunftsorientierten, wissbegierigen Menschen eine Chance geben, einen weiteren Schritt in der beruflichen Entwicklung zu tätigen.

 

Welches sind Ihre beruflichen Pläne für 2018?

Ich werde im neuen Jahr ehrgeizig an meinem Ziel festhalten: eine Führungsposition im Personalmanagement zu finden mit Fokus auf globale und länderübergreifende Unternehmensstrategie. Zudem möchte ich ein gut funktionierendes Netzwerk aufbauen, das mich beruflich weiterbringt.