Grosse Karrierepläne nach der KV-Lehre

Rolf Murbach, 28.03.2018

Wie sehen die Berufspläne frisch gebackener KV-Absolventen aus? In Anlehnung an die diesjährige Lehrabgänger/innen-Umfrage haben wir mit zwei Abgängern gesprochen.

Ahsen Tuner (19)

Sie hat ihre Lehre beim Kaufmännischen Verband absolviert. Ahsen Tuner schloss die Grundausbildung im Sommer 2017 ab. Die Ausbildung hat sie in guter Erinnerung. «Meine Erwartungen wurden übertroffen», sagt sie. «Mir hat vor allem gefallen, dass ich einen umfassenden Einblick in ganz verschiedene Abteilungen bekam.» Ahsen Tuner arbeitete im Marketing, in der Prüfungsorganisation, in den Abteilungen Beruf und Beratung sowie bei den Finanzen. Und auch was die Unternehmenskultur anbelangt, ist sie voll des Lobes. «Die Stimmung beim Verband ist gut, ich wurde unterstützt und fand viele Kolleginnen und Kollegen.» Für die junge Berufsfrau war klar: Sie wollte nach ihrer Ausbildung beim Verband bleiben. Sie bekundete ihr Interesse bei der Personalabteilung und pokerte ein wenig. Sie wusste, es würde ohnehin nicht einfach sein, eine Stelle bei einem anderen Arbeitgeber zu finden, und bewarb sich daher nicht anderswo, in der Hoffnung, ihre Weiteranstellung beim Verband würde klappen. Sie musste sich zwar ein wenig gedulden, aber dann erhielt sie positiven Bescheid. «Dass ich bleiben konnte, hatte viele Vorteile. Ich musste mich weniger lange einarbeiten, da ich die Abläufe und die Menschen im Haus bereits kannte.»

Nach den Sommerferien trat Ahsen Tuner ihre neue Stelle als Assistentin des CEO an, eine herausfordernde und abwechslungsreiche Aufgabe. Sie führt die Agenda des Chefs, stellt Sitzungsunterlagen bereit und verschickt sie an die Teilnehmer, koordiniert Termine für Meetings, organisiert Anlässe. Zudem arbeitet Ahsen Tuner am Empfang und ist zuständig für den Telefondienst. «Am Anfang war ich nervös, ob alles klappen würde. Aber ich arbeitete mich schnell in die neuen Aufgaben ein.» Die Kauffrau hat viele berufliche Pläne. Sie will sich möglichst schnell weiterbilden, auch weil ihr der Schulbetrieb und die damit verbundene Abwechslung im Berufsalltag fehlen. Ihr Ziel: die Berufsmaturität. Ahsen Tuner könnte sich später auch eine Anstellung in einer anderen Branche vorstellen, zum Beispiel bei einer Versicherung oder in der Automobilbranche. «Ich bin ein grosser Autofan.» Und sie hat einen Traum. Gerne würde sie Jus studieren und später als Juristin arbeiten. Bis dahin ist es ein langer Weg. Wenn es mit der Berufsmaturität klappt, ist für sie der nächste Schritt klar: die Passerelle, der Weg für Berufsleute zum Universitätsstudium.

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Ramon Müller (24)

Er kam auf Umwegen zum KV. Wie viele andere Jugendliche wusste Ramon Müller nicht, welchen Beruf er ergreifen sollte. So entschied er sich, eher zufällig, für die zweijährige Ausbildung zum Metallbaupraktiker mit eidgenössischem Berufsattest. Bald einmal erkannte er, dass dies der falsche Beruf für ihn war. «Ich wollte eine breite Grundausbildung, die mir später vieles ermöglichen würde. Das KV war naheliegend.» Er fand eine Stelle bei Swiss Marketing, dem Berufsverband der Marketingfachleute. Die Arbeit war zwar spannend, aber Ramon Müller fühlte sich im Team nicht wohl. So wechselte er nach eineinhalb Jahren zum Kaufmännischen Verband, zuerst in die Prüfungsorganisation, dann in die Abteilung Beruf und Beratung und ins Marketing. Wie Ahsen Tuner schätzte er die Vielfalt der berufspraktischen Ausbildung, die spannenden Aufgaben und die Einbindung in lehrreiche Projekte. «Ich organisierte eine Berufsbesichtigung, bespielte Instagram, arbeitete mit Datenbanken oder schrieb für den Blog.» «Die Lehrabschlussprüfung war happig», erinnert sich Ramon Müller. Er setzte sich selber stark unter Druck, auch weil er schon etwas älter war. Er wollte auf keinen Fall eine Ehrenrunde drehen. «Ich habe mich gut vorbereitet und bestand bestens.» Die Suche nach einer neuen Stelle nach dem Lehrabschluss verlief harzig und war aufwendig. Ramon Müller schrieb über 100 Bewerbungen, bewarb sich über Plattformen und kontaktierte Betriebe direkt. «Es gibt so viele Lehrabgänger, die Konkurrenz ist gross und alle Arbeitgeber verlangen Berufserfahrung.» Nach fünf Monaten hat es endlich geklappt. Er fand eine temporäre Anstellung bei einer Grossbank. Der Job ist okay, eine Übergangslösung, wie Ramon Müller sagt. Er arbeitet in der Steuerrückforderung, bereinigt Daten und erledigt administrative Arbeiten. Dafür sei die Atmosphäre im Betrieb gut. «Wir sind ein cooles Team.» Auch Ramon Müller denkt an Weiterbildung. Zurzeit überlegt er sich, ob er die BMS machen soll, allenfalls mit gesundheitlich-sozialem Profil. Sein Wunschjob: Sozialpädagoge. Mit seinen unterschiedlichen beruflichen Erfahrungen würde er sich wohl eignen für diesen Beruf. Und der Job würde seinen Erwartungen an einen erfüllten Berufsalltag mit grosser Wahrscheinlichkeit entsprechen: «Ich will am Morgen gerne aufstehen und mich auf meine Arbeit freuen.»