Frage-Antwort: Habe ich Anspruch auf Lohnfortzahlung?

Felix Kuster, 24.07.2018

In unserer Ratgeber-Serie beantworten Experten des Kaufmännischen Verbandes Mitgliedern Fragen rund um das Thema Arbeitsplatz.

Frage

Ich beabsichtige, mich beruflich zu verändern. Da ich im vergangenen Jahr während drei Monaten krankheitshalber arbeitsunfähig war, möchte ich wissen, ob ich bei erneutem Auftreten dieser Krankheit bei einem anderen Arbeitgeber Anspruch auf Lohnfortzahlung und Anspruch auf die Leistungen der zuständigen Krankentaggeldversicherungen hätte.

Antwort

Ein arbeitsvertraglicher Vorbehalt bezüglich Lohnfortzahlung für eine vorbestandene Krankheit ist rechtlich ausgeschlossen. Der neue Arbeitgeber müsste demnach auch bei einem Rückfall der früheren Krankheit den Lohn bezahlen.

Dagegen können Versicherungen  mit einem Vorbehalt die Leistungspflicht für einen gewissen Zeitraum (in der Regel fünf Jahre) wegbedingen, falls der Arbeitnehmer an der Krankheit, für welche der Vorbehalt vereinbart wurde, erkrankt.

Für die Krankentaggeldversicherungen ist die rechtliche Möglichkeit eines vertraglichen Vorbehaltes grundsätzlich möglich. Immerhin müsste der Arbeitgeber in einem solchen Fall anstelle der Krankentaggeldversicherung den Lohn für eine beschränkte Zeit gemäss Art. 324a OR bezahlen.  In der Praxis sind solche Vorbehalte bei Krankentaggeldversicherungen  indessen eher selten. Zudem haben viele Versicherungen 2006 ein Freizügigkeitsabkommen vereinbart, gemäss welchem die Anbringung solcher Gesundheitsvorbehalte ausgeschlossen ist.

Auch die Pensionskassen können bezüglich früherer Krankheiten Gesundheitsvorbehalte anbringen, allerdings nur im Bereich der überobligatorischen Versicherung. Im Rahmen der im BVG geregelten obligatorischen Versicherung sind Gesundheitsvorbehalte ausgeschlossen. Im Bereich der überobligatorischen Versicherung haben die Pensionskassen dagegen einen relativ grossen reglementarischen Spielraum.