Referieren ohne Lampenfieber

Rolf Murbach, 27.07.2018

Nervosität vor öffentlichen Auftritten muss nicht sein. Regelmässiges Referieren und freies Reden bringen Routine.

Die Zeit vor dem Auftritt ist eine Tortur. Man denkt nur an das Referat und weiss: Es wird die Hölle. Vielen ergeht es so. Sie haben Angst vor dem Präsentieren, befürchten ein Blackout oder dass ihnen die Stimme versagt. Während des Referates haben sie Schweissausbrüche und Herzklopfen. Meist legen sich Panik und Nervosität aber nach ein paar Minuten. Man gelangt in ruhige Gewässer. Ein bisschen Lampenfieber gehört zum Präsentieren, aber es sollte nicht zerstörerische Ausmasse annehmen. Man kann das Referieren trainieren und so der Nervosität entgegenwirken. Das Wichtigste: Man sollte öffentlichen Auftritten nicht ausweichen. Denn nur wer regelmässig übt und sich dem Auftritt stellt, entwickelt Routine und Sicherheit. Manche machen dabei die Erfahrung, dass das Reden vor Publikum sogar Spass bereiten kann. Sie haben etwas zu sagen, die Menschen hören zu, man bekommt eine Bühne, steht im Mittelpunkt und erfährt Anerkennung. Voraussetzung für gelungene Referate und den Abbau von Lampenfieber ist neben dem Training das Handwerk, das man sich aneignen kann. Im Folgenden einige Tipps, mit deren Hilfe Referate gelingen.

 

Planung

Planen Sie Ihr Referat. Entscheiden Sie sich für eine Hauptbotschaft. Teilen Sie Ihre Rede in Einstieg, Hauptteil und Schluss auf. Versuchen Sie, einen roten Faden zu finden. Lassen Sie während des Referierens aber auch Freiheiten zu. Manchmal muss man vom eigenen Drehbuch etwas abweichen, Punkte ausführen, mit denen man nicht gerechnet hat, eine illustrierende Episode schildern, die einem während des Sprechens in den Sinn kommt. Lassen Sie dies zu, denn es macht Reden lebendig. Behalten Sie aber Ihr Informationsziel, die Hauptbotschaft, im Auge.

 

Manuskript

Schreiben Sie ein Manuskript. Dadurch machen Sie sich vertraut mit dem Stoff und entwickeln einen Ablauf/eine Struktur. Andere Möglichkeit: Notieren Sie in Stichworten, worüber Sie referieren möchten. Geübte Redner sprechen sehr frei vor Publikum und brauchen nur wenige Unterlagen. Zur Vorbereitung einer geschriebenen Rede: Lesen Sie Ihr Manuskript mehrere Male (am besten vor dem Spiegel) und verinnerlichen Sie dadurch das Geschriebene. Aber lernen Sie das Referat nicht auswendig. Wer einen Text auswendig lernt, spricht ihn nicht nach aussen, also zum Publikum gerichtet, sondern nach innen.

 

Distanz

Wenn Sie Ihr Referat vorbereitet haben, legen Sie das Manuskript zur Seite. Nehmen Sie den Text erst wieder ein oder zwei Tage vor dem Auftritt zur Hand und üben Sie nochmals. Öffentliche Auftritte sind belastend, wenn man sich über Tage oder gar Wochen dauernd mit der Präsentation beschäftigt. Habe ich alles? Wird mein Auftritt gelingen? Was, wenn ich ein Blackout habe? Wenn es Ihnen gelingt, nicht dauernd an den Auftritt zu denken, sich also nicht zu verkrampfen, dann sind Sie bei Ihrer Präsentation lockerer.

 

Freiheit

Lesen Sie wenn möglich Ihre Rede nicht ab Blatt, sondern versuchen Sie, möglichst frei zu referieren. Wenn Sie sich fürs Ablesen entscheiden, achten Sie darauf, dass Ihr Manuskript optimal dargestellt ist: klar gegliedert, in grosser Schrift und mit kurzen Absätzen. Hauptaussagen, Schlüsselwörter und Zwischentitel fett markieren.

Buchtipp

Michael Oefner 2013: In 20 Schritten zum Redeprofi.

Preis: 32 Franken. Erhältlich im Webshop der Verlag SKV.

Einstieg

Entscheiden Sie sich für einen starken Einstieg. Beginnen Sie mit einem Zitat, einer kleinen Episode, einer starken Aussage, einer Provokation. Versuchen sie das Publikum gleich von Anfang an zu fesseln. Danach folgt oft eine Auslegeordnung des Themas, eine Orientierung für die Zuhörenden – was sie erwartet. Wenn Sie mit Powerpoint-Präsentationen arbeiten, dann gilt: Weniger ist mehr. Wenig Text, nicht allzu viele Slides, keine unnötigen Spielereien. Längere Texte können die Zuhörerinnen und Zuhörer selber lesen.

 

Redezeit

Achten Sie auf die Zeit. Halten Sie Redezeiten ein. Notfalls kürzen Sie Ihr Referat während des Vortragens, lassen einzelne Punkte weg oder fassen Passagen zusammen. Üben Sie sich in der Kunst des Improvisierens. Dies gelingt, wenn Sie im Kontakt mit dem Publikum sind.

 

Pausen

Lassen Sie Pausen zu. Sie dürfen während des Redens auch einmal nachdenken. Viele Vortragende haben das Gefühl, sie müssten andauernd reden. Pausen tun einem Referat gut und erhöhen die Spannung. Also den Text nicht einfach herunterleiern, sondern die Sätze wirken lassen.

 

Nervosität

Lassen Sie sich durch Nervosität nicht verunsichern. Ein bisschen Lampenfieber gehört zum öffentlichen Auftritt. Konzentrieren Sie sich auf Ihre Inhalte und Ihre Stärken. Je mehr Sie üben, desto weniger macht Ihnen das Lampenfieber zu schaffen. Und sie erfahren, dass Ihre Referate gelingen.

 

Authentizität

Seien Sie authentisch. Sie übernehmen zwar eine Rolle, aber bleiben Sie sich selber. Ein natürlicher, ehrlicher Auftritt kommt meist gut an.

 

Stil

Entwickeln Sie Ihren eigenen Stil. Probieren Sie verschiedene Vortragsarten aus: mit Powerpoint-Präsentation, geschriebener Rede, Stichwortkarten. Versuchen Sie mit der Zeit, möglichst frei zu sprechen. Je freier Sie referieren, desto besser können Sie auf das Publikum eingehen. Sprechen Sie mit dieser Haltung: Ich will euch/Ihnen etwas erzählen.

 

Leidenschaft

Sprechen Sie mit Leidenschaft (ohne es zu übertreiben) beziehungsweise Engagement. Wenn Sie von einer Sache begeistert oder überzeugt sind, dann wirkt sich das auf das Interesse des Publikums aus. Dies bedingt, dass Sie die Rolle des Vortragenden akzeptieren: Ich stehe hier vorne. Ich habe etwas zu sagen. Ich will etwas sagen. Variieren Sie auch Ihre sprachliche Ausdrucksweise: lauter, leiser, Pausen, langsamer, schneller. Arbeiten Sie also mit Ihrer Stimme. Das Wichtigste: Das Publikum muss spüren, dass Sie hinter Ihrem Text stehen.

 

Rhetorik

Arbeiten Sie mit rhetorischen Kniffen: Pausen, Fragen, humorvolle Bemerkungen, witzige Episoden, ironische Einschübe (vorsichtig anwenden, wird oft nicht verstanden), Szenen, Bilder, thematische Aspekte, die Sie am Schluss des Referates wieder aufnehmen.

 

Reflexion

Reflektieren Sie immer wieder Ihre Präsentationserfahrungen. Sprechen Sie mit anderen über öffentliche Auftritte. So kommen Sie weiter und lernen dazu.