Frage-Antwort: Krank kurz nach Arbeitsantritt - wer zahlt?

Felix Kuster, 07.08.2018

In unserer Ratgeber-Serie beantworten Experten des Kaufmännischen Verbandes Mitgliedern Fragen rund um das Thema Arbeitsplatz.

Frage

Ich habe vor einigen Monaten eine neue Stelle angetreten. Leider erkrankte ich nach einem Monat und bin zurzeit immer noch arbeitsunfähig. Gemäss Anstellungsvertrag haben wir eine Krankentaggeldversicherung, die ab dem 61. Tag während 720 Tagen ein Taggeld in der Höhe von 80% des vertraglich vereinbaren Lohnes bezahlt. Diese Leistung wird mir inzwischen auch ausgerichtet. Für die ersten 60 Tage Arbeitsunfähigkeit habe ich allerdings keinen Lohn erhalten. Der Arbeitgeber stellt sich auf den Standpunkt, während den ersten drei Monaten der Anstellung müsse er gemäss Art. 324a OR keine Lohnfortzahlung bei krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit leisten.

Antwort

Es trifft tatsächlich zu, dass ein Arbeitgeber während den ersten drei Anstellungsmonaten keinen Lohn zahlen muss, wenn der Arbeitgeber krankheitsbedingt arbeitsunfähig ist. Das Bundesgericht hat diese Auslegung von Art. 324a OR ausdrücklich bestätigt. Besteht indessen eine Krankentaggeldversicherung mit einem aufgeschobenen Taggeld (z.B. Leistungen ab dem 31., ab dem 61. oder 91. Tag) stellt sich die Frage, ob hier der Arbeitgeber in die Lücke springen muss. Das Arbeitsgericht Zürich ist der Ansicht, sobald der Arbeitnehmer sich an der Bezahlung der Prämien für die Taggeldversicherung beteilige, könne er auch darauf vertrauen, dass er Anspruch auf Leistungen der Taggeldversicherung habe. Beteilige er sich seit Anstellungsbeginn an der Prämienzahlung, bestehe auch ein Anspruch auf Leistungen ab diesem Zeitpunkt. Auf Ihren Fall übertragen, müsste also der Arbeitgeber für die ersten zwei Monate den Lohn zahlen. Die Taggeldversicherung selbst muss keine Leistung erbringen, da sie den Lohnausfall erst ab dem 61. Tag versichert hat. Es könnte jedoch durchaus sein, dass ein anderes Gericht den Arbeitgeber trotz Bestehen einer Taggeldversicherung mit aufgeschobenem Taggeld in den ersten drei Anstellungsmonaten von der Lohnfortzahlungspflicht befreien würde.

 

Aus dem Context #2/2016

 

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