"Unsere Mitarbeitenden haben in diesem äusserst anspruchsvollen Jahr aussergewöhnliche Leistungen erbracht."

Emily Unser, 07.02.2019

Trotz zahlreicher struktureller Transformationen sieht Magazine zum Globus AG für das Geschäftsjahr 2019 neben individuellen Lohnerhöhungen eine generelle Saläranpassung für Mitarbeitende der tieferen Lohnstufen vor. Wie Globus zu Lohnerhöhungen steht und mit welchen Herausforderungen der Detailhandel in den kommenden Jahren zu rechnen hat, erklärt Thomas Herbert, CEO & VR Magazine zum Globus AG, im Interview.

kfmv-Blog: Wie würden Sie das vergangene Jahr für Globus zusammenfassen?

Thomas Herbert: Für Globus war 2018 ein Jahr der Trans­formation. Die zahlreichen Umwandlungen von Schild und Herren Globus Filialen in Globus Modefachgeschäfte, die Integrationen und bedauerlicherweise auch Schliessungen von Filialen beanspruchten das Unternehmen stark. Der flächenbereinigte Umsatz im stationären Handel konnte in einem schwierigen Marktumfeld und unter ungünstigen Witterungsbedingungen verteidigt und online trotz zunehmender Konkurrenz aus dem In- und Ausland sogar massiv ausgebaut werden. Diese positive Entwicklung verdanken wir primär unseren Mitarbeitern, die in diesem äusserst anspruchsvollen Jahr aussergewöhnliche Leistungen erbracht haben.

 

Wie wurden diese Leistungen honoriert?

Wir möchten Mitarbeiter mit einem ausgezeichneten Leistungsausweis insbesondere bei den höheren Lohnklassen speziell honorieren und bevorzugen grundsätzlich individuelle Lohnerhöhungen. Voraussetzung ist, dass faire Löhne und Lohngleichheit gewährleistet sind, was bei uns selbstverständlich der Fall ist.

 

In diesem Zusammenhang haben Sie eine generelle Saläranpassung für Mitarbeiter der tieferen Lohnstufen vorgenommen. Sie kommt rund 60% aller Globus-Mitarbeitern zugute. Weshalb diese zusätzliche Massnahme?

Mit der generellen Lohnerhöhung für Basis Mitarbeiter mit tieferen Löhnen möchten wir einen Beitrag zum Teuerungsausgleich leisten. Hier geht es uns primär darum, dass der Lohn der strukturschwächeren Mitarbeitern mit den steigenden Lebenshaltungskosten Schritt halten kann.

 

Welche Rolle spielen dabei Gesamtarbeitsverträge (GAV) und Lohnempfehlungen der Sozialpartner, wie beisp. des Kaufmännischen Verbands?

Gesamtarbeitsverträge sind insofern wichtig, dass sie für alle Parteien Klarheit schaffen bezüglich Anstellungsbedingungen und die Zusammenarbeit regeln. Sie sind somit eine gute Grundlage für die Mitarbeiter und geben ihnen Sicherheit. Die Zusammenarbeit mit dem Kaufmännischen Verband erachten wir dabei als konstruktiv und transparent, wir schätzen diese Sozialpartnerschaft ausserordentlich und sind der Überzeugung, dass sie sowohl den Mitarbeitern als auch dem Unternehmen Globus nützt.

Der kfmv als Sozialpartner

Als Sozialpartner verschiedener Unternehmen setzen wir uns in Vertragsverhandlungen mit den Arbeitgebern für faire und fortschrittliche Arbeitsbedingungen ein. Erfahren Sie mehr dazu auf unserer Website.

Der Blick in die Zukunft zeigt, dass sich der Detailhandel stark verändern wird. Welche neuen Herausforderungen kommen auf Sie zu?

Das sich laufend verändernde Kundenverhalten wird in den kommenden Jahren sowohl den Detailhandel wie auch Globus weiterhin beschäftigen. Für Globus wird eine zentrale Herausforderung sein, mit den immens schnellen Entwicklungen im Online-Geschäft mithalten zu können, also in erster Linie die Logistik aufgrund der höheren Volumen-Abwicklung auszubauen und den neuen Anforderungen im Markt zu entsprechen, damit die positive Entwicklung und das Umsatzwachstum des Online-Shops fortgesetzt werden können.

 

Was heisst das für den stationären Handel? Ist er vom E-Commerce gefährdet?

Der stationäre Handel sollte sich gleichzeitig auf seine primären Stärken fokussieren. Globus steht für Inspiration, persönliche Beratung und Einkaufserlebnis, und genau diese Kompetenzen bauen wie beisp. mit einem attraktiven Gastronomie-Angebot aus, damit der Kunde bei Globus ein rundum faszinierendes Einkaufserlebnis hat.

 

Also verschmelzen traditioneller Detailhandel und Onlinekanäle immer mehr…

Der Kunde unterscheidet immer weniger zwischen online und offline einkaufen, und Globus versteht sich als ein Omni Channel-Anbieter. Ob der Kunde sich im Warenhaus inspirieren und beraten lässt, das Produkt ausprobiert und zu Hause kauft oder umgekehrt, sich zu Hause informiert und das Produkt im Geschäft befühlt oder es sich gleich nach Hause liefern lässt, spielt immer weniger eine Rolle. Der Verkauf findet über den für den Kunden jeweils passenden Kanal statt, und unsere Aufgabe besteht darin, alle Kanäle inspirierend und effizient zu betreiben.

 

Damit ändern sich auch die Berufe im Detailhandel. Was bedeutet das künftig für die KV-Lehre und die Ausbildung zu Detailhandelsfachmann/-frau?

Das Schweizer Ausbildungssystem mit Dualsystem ist grundsätzlich ein Erfolgsmodell, es wird sich jedoch vermehrt an die Megatrends wie die Digitalisierung ausrichten müssen. Das KV ist ein breitgefächerter und nach wie vor beliebter Einstieg in die Berufswelt. Die Ausbildung als Detailhandelsfachmann/-frau sollte sich vermehrt auch auf Omni Channel-Themen fokussieren. Mit dem Einfluss der Digitalisierung wird die Ausbildung im Detailhandel auch für die jüngere Generation wieder attraktiver. Gerade Globus kann durch seine digitale Vorreiterrolle ein attraktiver Ausbildungsplatz sein.

Thomas Herbert

Thomas Herbert (49) beginnt 1987 seine Laufbahn bei Magazine zum Globus AG im Rahmen einer Kaufmännischen Lehre. 2002 wechselte er zur Schild AG und wird 2006 nach einem Management Buyout zu deren CEO & VR. In dieser Funktion zeichnet er für den Aufbau eines Monobrandstorenetzes mit s.Oliver, Street One und Hallhuber sowie den Aufbau Franchising für Intimissimi und Calzedonia in der Schweiz. Darüber hinaus koordinierte er den Verkauf der Anteile der Schild AG an die Magazine zum Globus AG und deren Rückbeteiligung. Seit 2015 ist er CEO & VR Magazine zum Globus AG. Thomas Herbert sitzt ebenfalls im Beirat der Schweizerischen Nationalbank.

globus.ch