Mit klugen Bewerbungsstrategien zum neuen Job

Rolf Murbach, 07.03.2019

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Laufbahn braucht Zeit. Musse, Reflexion und strategisches Vorgehen tragen zur erfolgreichen Stellensuche bei. Sich bewerben ist auch ein Handwerk, sagen Caroline Schultheiss und Larissa Schafroth vom Kaufmännischen Verband Zürich.

Caroline Schultheiss und Larissa Schafroth arbeiten als Laufbahn- und Karriereberaterinnen beim Kaufmännischen Verband Zürich. Sie begleiten Ratsuchende bei Karrierefragen, führen Standortbestimmungen durch und unterstützen sie im Bewerbungsprozess. Dabei geht es häufig auch um Strategien. Wie geht man bei der Stellensuche sinnvoll vor? Worauf muss man unbedingt achten? Was funktioniert nicht? Insbesondere Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger seien unsicher, weil sie wenig Erfahrung mitbringen würden. «Wir führen sie hin zu relevanten Laufbahnfragen und unterstützen sie im konkreten Bewerbungsprozess», sagt Caroline Schultheiss.

Der Druck, nach der Lehre eine Stelle zu finden, ist nicht zu unterschätzen. Dabei ist der Zeitpunkt, sich zu bewerben, alles andere als ideal. Die jungen Menschen sind mit dem Qualifikationsverfahren beschäftigt und haben kaum Musse, sich mit Laufbahnfragen und Bewerbungen auseinanderzusetzen. «Wer von seinem Arbeitgeber weiterbeschäftigt wird, ist im Vorteil», sagt Larissa Schafroth. Der Berufseinstieg sei fürs Erste geregelt und man habe Zeit, sich fundiert mit der weiteren Laufbahn auseinanderzusetzen.

 

Nichts überstürzen

Die beiden Beraterinnen stellen bei vielen Lehrabgängern ein Überstürzen, auch eine Ungeduld fest. Die jungen Leute wollten zu viel aufs Mal, würden sich zu wenig Zeit lassen, um ihre Laufbahnplanung mit der notwendigen Ruhe anzugehen. «Sie haben das Gefühl, sie müssten mit 24 die entscheidenden Weiterbildungen und beruflichen Stationen hinter sich haben», sagt Caroline Schultheiss. «Das entspricht natürlich nicht der Realität und ist auch nicht möglich. Vor allem verpassen es die jungen Erwachsenen aufgrund dieser Haltung, die wichtigen Fragen zu stellen: Was will ich? Was ist mir wichtig? Wo sehe ich mich möglicherweise in ein paar Jahren?»

Die Auseinandersetzung mit Laufbahnfragen braucht Zeit. Auch die «Berufswahl» nach der Grundbildung ist nicht Sache eines schnellen Entscheids, sondern ein Prozess. Nur wenige wissen «einfach so», was sie wollen. Der Normalfall verläuft anders. Nach der Grundbildung sammelt man berufliche und private Erfahrungen. Man erkennt, was einem liegt, was weniger, wo man Stärken und Schwächen hat. Man begegnet Menschen, die einen faszinieren, und entwickelt einen Berufswunsch. Vorstellungen konkretisieren sich. Man hört vielleicht von Weiterbildungen, von denen man nicht wusste, dass es sie gibt. Caroline Schultheiss: «Früher kannte man die Lehr- und Wanderjahre, man liess sich mehr Zeit, um herauszufinden, was man will, nahm auch einmal vermeintliche Umwege in Kauf.»

 

Effizienzdruck

Heute lastet ein starker Effizienzdruck auf vielen jungen Menschen. Sie wollen ihre Ziele möglichst schnell erreichen. Sie sind sich aber nicht bewusst, dass das Konzept des lebenslangen Lernens ihrer Einstellung und ihrem Verhalten fundamental widerspricht. Larissa Schafroth wundert sich immer wieder, wie stark sich Lehrabgänger unter Druck setzen. «Sie denken, sie müssten mit 20 an einem ganz anderen Ort sein».

In ihren Beratungen versuchen die beiden Laufbahnberaterinnen gemeinsam mit den Klienten Laufbahn- und Bewerbungsstrategien zu erarbeiten. Strategien seien nicht grundsätzlich gut oder schlecht, wichtig sei, dass eine Strategie für eine Person stimmig ist. Einige bewerben sich auf ganz viele Stellen, die sie ansprechen. Andere gehen gezielt vor. Sie entscheiden sich für eine Branche und bewerben sich auf wenige Jobs. Wichtig sei immer die Qualität einer Bewerbung. «Es hat keinen Sinn, unzählige mangelhafte Dossiers zu verschicken, einfach damit man sich möglichst oft beworben hat», führt Larissa Schafroth aus. «Die Bewerbungen müssen auf die ausgeschriebenen Stellen zugeschnitten sein. Standardbewerbungen, allgemeine Motivationsschreiben und veraltete CVs führen nicht zum Erfolg.» Caroline Schultheiss ergänzt: «Die Stellensuchenden müssen sich mit dem künftigen Arbeitgeber auseinandersetzen und sollten in ihrer Bewerbung aufzeigen, welche Weiterbildungen, Erfahrungen und Kompetenzen sie für einen Job qualifiziert und welche Motivation sie antreibt.» Standardphrasen hätten überdies in einer Bewerbung nichts zu suchen. «Gemeinplätze wie <Ich bin zielstrebig, lösungsorientiert und kommunikativ> sagen wenig aus.»

 

Mut zum Risiko

Eine Frage, die junge Menschen beschäftigt: Soll man zuerst eine Weiterbildung absolvieren und sich erst dann auf eine Wunschstelle bewerben oder umgekehrt? Auch hier gibt es nicht einfach eine richtige Antwort. Viele Jobs setzen eine Weiterbildung voraus. Wer Glück hat, findet die Traumstelle möglicherweise schon vorher und kann sich berufsbegleitend weiterbilden. Das hängt auch vom Arbeitgeber ab. Caroline Schultheiss beobachtet bei einigen jungen Menschen ein starkes Sicherheitsbedürfnis. «Etwas Mut zum Risiko zahlt sich meist aus. Eine Weiterbildung absolvieren und dann schauen, welche Möglichkeiten sich daraus ergeben. Wenn man mit Überzeugung und Leidenschaft seinen Weg verfolgt, ergibt sich dann auch meist etwas daraus.»

Und doch ist es wenig sinnvoll, unüberlegt irgendwelche Kurse zu absolvieren, weil sich weiterbilden ein Gebot der Zeit ist. Die Lehrabgänger-Umfrage des Kaufmännischen Verbands zeigt, dass die Weiterbildungsbereitschaft sehr hoch ist. «Man sollte sich bewusst für einen Lehrgang oder ein Studium entscheiden», sagt Caroline Schultheiss. Dies bedingt, dass man mit Bildungssystem und Laufbahnmöglichkeiten vertraut ist. Welche Ausbildungen an Höheren Fachschulen und Fachhochschulen gibt es? Worin unterscheiden sie sich? Welches sind Zulassungsvoraussetzungen? Brauche ich für den nächsten Karriereschritt wirklich eine Berufsmaturität oder genügt auch ein Abschluss der höheren Berufsbildung? Welche Weiterbildungen brauche ich für einen Branchenwechsel? «Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig die Ratsuchenden über unser Bildungssystem wissen», sagt die Laufbahnberaterin. «Es lohnt sich, Zeit in die Recherche von Weiterbildungsmöglichkeiten zu investieren. Erst wenn man sie kennt, eröffnen sich neue Szenarien.»

 

Wichtiges Netzwerk

Wie wichtig sind die sozialen Medien bei der Stellensuche? Natürlich sollte man Linkedin- oder Xing-Profile sorgfältig pflegen. Sie müssen aktuell sein und vermitteln ein Bild der Person, der beruflichen Aktivitäten und Vernetzung. Abhängig von Branche, Funktion und Spezialisierung haben sie für den Bewerbungsprozess unterschiedliche Relevanz. «Social Media ist bedeutsam, aber nicht für alle Branchen und Funktionen», erklärt Larissa Schafroth. «Für junge Leute sind sie meist nicht der ausschlaggebende Faktor für eine erfolgreiche Bewerbung.»

Zu einer wirkungsvollen und langfristig angelegten Bewerbungsstrategie zählen die beiden Laufbahnberaterinnen auch das Networking. Es lohne sich mit Personen, zu denen man Vertrauen gefasst hat, in Verbindung zu bleiben. «Weshalb nicht einen Berufsbildner oder eine ehemalige Abteilungsleiterin kontaktieren und um Rat suchen. Im Gespräch erhält man eine Aussensicht und kommt möglicherweise auf neue Ideen», sagt Caroline Schultheiss. Zudem zahle sich Networking langfristig aus. «Netze wachsen im Verlaufe des Berufslebens. Sie sind für eine Laufbahn ungeheuer wichtig.»

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