"Gute Qualität hat ihren Preis."

Emily Unser, 26.03.2019

Stossendes Handover am Flughafen Zürich: Der Vertrag mit Passagierbetreuungsdienstleister Careport wird ab 2020 nicht verlängert. Neuer Arbeitgeber soll die noch zu gründende Firma Goldwings werden. Dieses Vorhaben ist in den Vergangenen Wochen auf Widerstand gestossen.

Seit Januar 2019 ist bekannt, dass die Flughafen Zürich AG (kurz: FZAG) den Vertrag mit Careport, einem Unternehmen der Swissport und CGS, ab 2020 nicht verlängern will. Stattdessen soll die noch zu gründende Firma Goldwings zum Zug kommen. Die rund 200 Careport-Mitarbeitenden werden gemäss OR333 von der neuen Firma übernommen. Gegen die geplante Neuvergabe regte sich in den vergangenen Wochen Widerstand. Inzwischen ist Beschwerde beim Verwaltungsgericht Zürich erhoben worden. Caroline Schubiger, Leiterin Beruf und Beratung beim Kaufmännischen Verband und verantwortlich für die GAV mit Swissport analysiert die Situation.

 

kfmv-Blog: Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation um die Mandatsvergabe am Flughafen Zürich?

Caroline Schubiger: Nun, eine Würdigung des Falles ist momentan nicht abschliessend möglich, da der Entscheid des Verwaltungsgerichts noch aussteht. Es fällt auf, dass der Auftrag aufgrund eines kosteneffizienteren Angebotes an eine noch nicht existierende Firma mit ausländischer Beteiligung vergeben wurde. Neben dem finanziellen Aspekt frage ich mich, wie hier ein angemessener Leistungsvergleich, insbesondere auch qualitativ möglich war.

 

Careport ist kein Einzelfall, wenn es um Outsourcing bei Betrieben geht, die auch der öffentlichen Hand gehören. Wo sehen Sie hier die Herausforderungen?

Outsourcing an sich ist nicht zwingend problematisch. So hat auch Careport im Auftragsverhältnis die Betreuungsdienstleistung für die FZAG erbracht. Angebotsvergleiche sind insbesondere bei der Auftragsvergabe von staatlichen oder staatsnahen Betrieben absolut legitim. Stossend ist es dann für uns, wenn finanzielle Aspekte als Hauptgrund geltend gemacht werden und andere Merkmale wie Qualität oder langjährige Zusammenarbeit weniger Gewicht haben. Zudem bin ich überzeugt, dass es besonderes Fingerspitzengefühl bei einer Mandatsvergabe braucht, wenn Betreiber wie der Flughafen Zürich, der zu einem grossen Teil dem Kanton Zürich gehört, Aufträge vergibt. Gerade in der Luftverkehrsbranche sind Wettbewerb und der Kostendruck in den vergangenen Jahren laufend gestiegen und die Anforderungen an die Mitarbeitenden ebenso. Da schmerzen solche Entscheide doppelt. Zumal ein Handover wie dieses von einem zu einem anderen Dienstleister immer auch mit erheblichen Unsicherheiten bei den Mitarbeitenden einhergeht.

 

Wie sehen Sie die Zukunft für die 200 betroffenen Mitarbeitenden?

Bis Ende 2019 haben alle Mitarbeitenden eine Arbeitsplatzgarantie bei Careport. Bleibt es bei der Vergabe an die neue Firma, gehen per Januar 2020 die Arbeitsverhältnisse mit allen Rechten und Pflichten auf die neue Firma über. Dies bedeutet, dass alle Ansprüche der Mitarbeitenden, die an dessen Dienstjahre anknüpfen vollumfänglich erhalten bleiben (z.B. bezüglich Lohnfortzahlungspflicht oder Kündigungsfristen). Die Mitarbeitenden können das neue Arbeitsverhältnis ablehnen oder annehmen. Unter Einhaltung der geltenden Kündigungsfristen, kann der neue Arbeitgeber mittels Änderungskündigung die Anstellungsbedingungen ändern. Damit besteht die Unsicherheit, wie es weitergeht.

Mit Blick auf den kostenbezogenen Vergabegrund würde ich mich wundern, wenn sich die Bedingungen verbessern würden. Die Verantwortlichen – und hier appelliere ich an die im Verwaltungsrat der FZAG vertretenen Politiker des Kantons und der Stadt Zürich – sind gefordert, den Entscheid auch aus dieser Perspektive zu überdenken.

Der kfmv als Sozialpartner

Als Sozialpartner verschiedener Unternehmen setzen wir uns in Vertragsverhandlungen mit den Arbeitgebern für faire und fortschrittliche Arbeitsbedingungen ein. Erfahren Sie mehr dazu auf unserer Website.

Die Erfahrung zeigt: Gerade in der Luftverkehrsbranche brauchen wir Fachkräfte, die höchste Betreuungs- und Beratungsqualität garantieren können. Diese Qualität hat jedoch einen Preis.

 

An welche Stellen können sich Careport-Mitarbeitende bei Fragen wenden?

Die Beratungsstellen des Kaufmännischen Verbandes und insbesondere die Experten des Rechtsdienstes stehen hier gerne zur Verfügung. Der Verband ist bereits für andere Arbeitnehmende im Luftverkehr und insbesondere auch bei Swissport (Stationen Zürich und Basel) langjähriger GAV-Partner und kennt damit die Anliegen aus dieser Branche sehr gut.