Frage-Antwort: Wie macht man stressfrei Ferien?

Carla Weber, 14.05.2019

In unserer Ratgeber-Serie beantworten Experten des Kaufmännischen Verbandes Mitgliedern Fragen rund um das Thema Arbeitsplatz.

Frage

Wie immer vor den Sommerferien sehne ich mich nach Ruhe, Entspannung und Zeit für alles, was ich unternehmen möchte. Doch dann kommt es anders. Vor, während und nach den Ferien gibt es Stress. Letztes Jahr vergingen gerade mal drei Urlaubstage, bis ich mir ernsthaft überlegte, die Mails zu checken. Das habe ich nicht getan, doch mit der unbeschwerten Erholung war es vorbei. Meine Gedanken kreisten oft um die Arbeit und als ich zurück kam, bestätigten sich meine schlimmsten Befürchtungen. Unzählige Mails und Berge von Unerledigtem warteten auf mich. Das Wissen, dass es dieses Jahr vermutlich wieder so wird, macht mich schon jetzt nervös. Stress statt Ferien: Muss das sein?

Antwort

Mit Ihren Erlebnissen sind Sie nicht allein. In der heutigen Arbeitswelt sind hohe Arbeitsbelastungen keine Seltenheit. Rund die Hälfte der Angestellten ruft in den Ferien berufliche E-Mails ab, ein Drittel führt dienstliche Telefonate. Viele Berufstätige können im Urlaub nicht mehr richtig abschalten. Sie befinden sich im Dauerstress. Dieser Zustand ist nicht gleichzusetzen mit Herausforderungen im Sinne von: «Ich habe viel zu tun». Negativer, krankmachender Stress beginnt dann, wenn wir das Gefühl haben, die Dinge nicht mehr steuern zu können oder Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein.

Falls in Ihrem Betrieb der Arbeitsdruck so stark ist, dass Ferien kaum mehr Platz haben, sollten Sie das Gespräch mit Ihrer beziehungsweise Ihrem Vorgesetzten suchen. Vielleicht müsste zusätzliches Personal eingestellt oder die Aufgaben den vorhandenen Ressourcen angepasst werden. Es gibt natürlich auch Situationen, in denen sich solche Rahmenbedingungen nicht oder nicht so schnell verändern lassen. Jede Art von Abwesenheit, auch Ferien, erhöhen dann den Zeitdruck. Diesem sind Sie jedoch weniger ausgeliefert, wenn Sie folgende Massnahmen treffen:

  • Nachhaltige Erholung beginnt vor den Ferien. Am letzten Tag oder sogar die letzten zwei Tage vor den Ferien sollten Sie keine Termine mehr einplanen. So verschaffen Sie sich Zeit, um wichtige und dringliche Aufgaben zu erledigen.
  • Organisieren Sie nach Möglichkeit eine Stellvertretung. Informieren Sie Ihre Arbeitskolleginnen und -kollegen, Vorgesetzten, Kunden usw. rechtzeitig über Ihre Abwesenheit. So können Sie Termine und den Abschluss von Arbeiten besser koordinieren.
  • Überdenken Sie Ihre Erwartungshaltung: Der Anspruch, in den Ferien möglichst viel zu erleben und sich gleichzeitig gründlich zu erholen, führt oft zu Enttäuschungen.
  • Das Leistungsdenken darf in Ihren Ferien ebenfalls Urlaub machen. Nehmen Sie also künftig keine Arbeit mit und verzichten Sie auf Erreichbarkeit. Stattdessen könnte Ihre Leitfrage lauten: «Was ist gut für mich und für meine Erholung?»

Gönnen Sie sich nach den Ferien einen sanften Einstieg. Vereinbaren Sie Termine erst ab dem dritten Tag. Natürlich muss die angefallene Arbeit erledigt werden, aber nicht in den ersten zwei Tagen. Starten Sie mit Ruhe, sortieren Sie Ihre E-Mails und erstellen Sie eine Rangliste der Aufgaben, bevor Sie loslegen. Und, das Wichtigste: Planen Sie Ihren nächsten Urlaub!

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Erstmals veröffentlicht: 25. Juli 2017