Frage-Antwort: Digitaler Dauerstress – Was kann ich dagegen tun?

Brigitte Hiestand, 02.07.2019

In unserer Ratgeber-Serie beantworten Experten des Kaufmännischen Verbandes Mitgliedern Fragen rund um das Thema Arbeitsplatz.

Frage

Als langjährige und erfahrene Projektmanagerin bin ich es gewohnt, mit vielen Informationen, Aufgaben und Terminen umzugehen. In letzter Zeit gelingt es mir aber immer weniger, mich auf dringende Arbeiten zu fokussieren und dranzubleiben. Dauernd werde ich von Anrufen, dringenden E-Mails und SMS unterbrochen. Ich fühle mich je länger je mehr unzufrieden, geistig müde und kraftlos. Wie kann ich meine Aufmerksamkeit wieder mehr auf Wichtiges richten?

Antwort

Obwohl die rasante digitale Entwicklung sicher auch in Ihrem Arbeitsalltag vieles erleichtert und neue Möglichkeiten mit sich bringt, stellt die Nutzung der digitalen Technik grosse Herausforderungen an uns und kann je nach Nutzungsintensität langfristig Folgen auf unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden und unsere Leistungsfähigkeit haben. Durch andauernde Unterbrechungen und Ablenkungen fühlen sich immer mehr Menschen belastet und gestresst.

Wir verlernen zunehmend, uns auf eine einzige Sache zu konzentrieren und mit voller Energie bei dem zu bleiben, was wir eigentlich tun wollen. Im Gegensatz zu der immer leistungsfähigeren und schnelleren Technik ist unser Gehirn aufgrund der beschränkten Kapazität des Arbeitsgedächtnisses den Anforderungen an das sogenannte Multitasking nicht gewachsen. Kein Wunder überfordert uns diese digitale Daueralarmbereitschaft zunehmend. Um gut zu funktionieren und vor allem konstant gute Ergebnisse zu erzielen, braucht unser Gehirn neben regelmässigem Schlaf und ausgewogener Ernährung vor allem Ruhe und explizite Konzentration auf die Aufgabe, mit der wir uns gerade beschäftigen. Das heisst, wir brauchen immer wieder Zeit, um Pausen zu machen und auszuruhen. Das Gehirn nutzt diese Zeit, um unsere Leistungsfähigkeit wiederherzustellen.

Als einen möglichen ersten Schritt könnten Sie ihren Arbeitsalltag mit sogenannten Mikropausen neu strukturieren. Gehirnforscher empfehlen am besten 5 bis 10 Minuten Pause pro Stunde. Und zwar Pausen ohne SMS, E-Mail, Internet und Telefon, sondern tatsächlich mit nichts tun. So geben Sie ihrem Gehirn die Chance zum Ausruhen und zur Erholung. Ebenfalls empfehlenswert und im Trend sind digitalfreie Zeiten, sogenanntes Digital Detox.  Sollte Ihnen das Einhalten regelmässiger digitalfreier Pausen zu Beginn schwerfallen, machen Sie sich keine Sorgen, sondern bleiben Sie trotzdem dran. Im Durchschnitt braucht es 66 Tage Wiederholung, bis sich eine Gewohnheit etabliert hat.

Ist Ihr Arbeitsleben etwas aus der Bahn geraten? Sind Sie gestresst?

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