Der Einstieg in ein neues Team

Julia Konstantinidis, 09.07.2019

Beim Antritt einer neuen Stelle muss man sich in kürzester Zeit an Unbekanntes gewöhnen. Eine gute Vorbereitung erleichtert den Einstieg.

Nach anstrengenden Bewerbungsrunden ist die Freude über eine Zusage für eine neue Stelle riesig. Der Mitarbeiter in spe malt sich aus, wo er seinen Büroplatz haben wird oder wie im neuen Betrieb die Mittagspause verbracht wird. Ein Wechsel des Arbeitgebers geht zudem oft mit einer veränderten Funktion einher und mit der Übernahme von neuen Aufgaben. Nebst der Vorfreude ist die Zeit zwischen der Kündigung am alten und dem Antritt am neuen Arbeitsplatz deshalb oft auch eine Phase der Ungewissheit: Trotz Stellenbeschrieb hat jeder Betrieb Eigenheiten und ungeschriebene Gesetze – und erst recht die zwischenmenschliche Ebene lernen neue Mitarbeitende erst nach und nach kennen.

Informationen sammeln

Um schlaflose Nächte vor dem ersten Tag in der neuen Firma zu vermeiden, kann man vorab jedoch einiges tun. «Es ist wichtig, sich vor Stellenantritt über den neuen Arbeitgeber auf verschiedenen Kanälen zu informieren. Vieles erfährt man im Internet, aber auch Geschäftsberichte oder Artikel aus den Medien sind aufschlussreich», erklärt Stephan Suter, Vorstandsmitglied bei der Basler Gesellschaft für Personal-Management.

Die virtuelle Welt liefert zwar aussagekräftige Infos zu den harten Fakten einer Firma. Doch um mehr über die weichen Faktoren eines Betriebs oder einer Abteilung zu erfahren – etwa den Umgangston unter Kolleginnen und Kollegen, oder Arbeitsweisen – sind persönliche Kontakte am geeignetsten. Im Idealfall existieren diese bereits. Laut Suter ist in jedem Fall zu überlegen, ob man Kontakte zu zukünftigen Kollegen und Vorgesetzten noch vor dem Stellenantritt aktiv sucht. «Etwa, indem man sich nach Schulungen oder Workshops erkundigt, an denen man vorab als Gast teilnehmen darf. Oder man informiert sich, ob es eine gemeinsame Znüni- oder Zmittags-Pause gibt und stösst besuchsweise zum neuen Team dazu.

Lernbedarf ermitteln

Derart vorbereitet, fällt der Einstieg am neuen Arbeitsort leichter und man kann sich besser auf die neuen Aufgaben konzentrieren. Den perfekten Mitarbeitenden, der alle Anforderungen vom ersten Tag an zu hundert Prozent erfüllt, gibt es jedoch nicht. Bereits die Ausschreibung und das Stellenprofil, das beim Vorstellungsgespräch diskutiert wird, gibt einem Bewerber Aufschluss darüber, welche Fähigkeiten mit dem Stellenbeschrieb übereinstimmen und wo es Lücken gibt. «Deshalb sollten Arbeitnehmende schon das Bewerbungsverfahren als Teil des Stellenantritts betrachten und sich bereits in dieser Phase bewusst werden, wo möglicher Lernbedarf besteht», betont Suter, der bei der Bell Food Group die Funktion des stellvertretenden Leiters Corporate Human Resources innehat. Das Unternehmen hat 12 000 Mitarbeitende in ganz Europa.

Zielgerichtete Einarbeitung

Die Dauer der Einarbeitungszeit hängt denn auch von den Anforderungen an der neuen Stelle und von den Fähigkeiten des neuen Mitarbeiters ab. «Für die Einarbeitung sollte ein klarer Zeitplan aufgestellt werden, mit Lernzielen, Massnahmen und Schulungen», empfiehlt Suter. Wie sorgfältig die Einarbeitung neuer Mitarbeitenden vonstatten geht, ist naturgemäss von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich.

«Aus rechtlicher Sicht kann man keine besonderen Ansprüche bezüglich der Einarbeitungszeit geltend machen», weiss Annalisa Job, Director Communication bei der Adecco Gruppe Schweiz. «Es gelten aber die allgemeinen Rechte und Pflichten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.» Namentlich besteht eine Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gegenüber seinen Angestellten. Diese wiederum hätten eine Sorgfalts- beziehungsweise Treuepflicht. Für HR-Profi Stephan Suter bedeutet das, dass eine neue Mitarbeiterin die Einarbeitung aktiv nutzt, um nötiges Wissen zu erlangen. «Ist niemand da, um Fragen direkt zu beantworten, kann man sich Notizen machen, um diese mit einer geeigneten Person zu besprechen.» Das könne ein Vorgesetzter sein, aber auch ein Mitarbeitender in ähnlicher Funktion. «Um Ansprechpersonen zu haben, ist eine rasche Vernetzung mit neuen Kolleginnen und Kollegen deshalb von grosser Bedeutung», so Suter.

Sich selber sein

Für manche ist das «Ankommen» in einem neuen Team eine ebenso grosse Herausforderung wie die Einarbeitung in neue Arbeitsaufgaben. Der Personaldienstleister Adecco hat auf seiner Webseite darum einige Tipps aufgelistet, wie die zwischenmenschliche Annäherung einfacher klappt. So soll man Gelegenheiten wahrnehmen, die Kolleginnen und Kollegen ausserhalb des Arbeitsalltags kennenzulernen, etwa beim Feierabendbier oder am firmeneigenen «Töggeli-Kasten». Allerdings sollte man laut Annalisa Job in der ersten Zeit darauf verzichten, im neuen Umfeld allzu vertraulich zu sein: «Von einem informellen Umgangston sollte man sich nicht dazu verleiten lassen, unprofessionelle Kommentare zu platzieren.»

Personal-Manager Stephan Suter hält sich an eine einfache Faustregel: «Am besten ist man sich selber und verhält sich so, wie man dies auch in fünf Jahren noch tun würde. Man muss hinter dem stehen, was man sagt und tut. Eine allfällige Diskrepanz diesbezüglich bleibt für das Arbeitsfeld nicht unbemerkt und das kann Probleme geben.» Hilfsbereitschaft, Offenheit für Veränderungen und die Bereitschaft, Dinge frühzeitig anzusprechen, sind nach Suters Meinung Eigenschaften, die ein gutes zwischenmenschliches Klima am Arbeitsplatz fördern.

Probleme frühzeitig ansprechen

Was aber tun, wenn trotz bester Vorbereitung und Bemühungen in der Probezeit Schwierigkeiten auftreten? Sowohl Annalisa Job als auch Stephan Suter betonen diesbezüglich den Zeitaspekt. «Schwierige Situationen sollten so früh wie möglich angesprochen werden», rät Suter. Doch mit dem Benennen des Problems ist es laut Suter nicht getan. «Für eine konstruktive Lösung ist es nötig, dass der Arbeitnehmer selbst die Initiative ergreift und möglichst Vorschläge macht, wie die Situation verbessert werden kann.»

Lässt sich keine befriedigende Lösung finden, bietet die Kündigung in der Probezeit die rechtliche Möglichkeit, rasch aus der Anstellung auszutreten – die Kündigungsfrist beträgt in dieser Phase von Gesetzes wegen bloss sieben Tage. «Das ist die letzte, zu wählende Option in einer schwierigen Situation. Denn sie könnte bei einem anderen Arbeitgeber genauso wieder auftreten», meint Suter. Flattere einem Personalverantwortlichen die Kündigung während der Probezeit auf den Tisch, ohne dass allfällige Probleme vorgängig möglichst mehrfach angesprochen wurden, sorge das für Irritation. Suter plädiert deshalb für Offenheit und empfiehlt, zuerst das Gespräch zu suchen. Denn anders, als Arbeitnehmende in schwierigen Situationen eventuell denken, hat ein Arbeitgeber grosses Interesse daran, eingestellte Mitarbeitende zu behalten und bei der Einarbeitung zu unterstützen. «Dank des offenen gegenseitigen Ansprechens der Schwierigkeiten, der gemeinsamen Lösungssuche und der Bereitschaft, Anpassungen zu akzeptieren, können oft Lösungen gefunden werden, die zum Glück eine frühzeitige Kündigung überflüssig machen.»

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